Loskugel-Fund auf dem Martberg

In der Südecke der Umfriedung des Umgangstempels wurden neun Kugeln geborgen, eine befand sich im Mörtel des Umgangs. Sie bestanden aus weißem Ton und hatten einen Durchmesser von etwa 2,0 cm. Mit den schon früher (J. Klein (1887) S. 115) gefundenen sind es nun insgesamt 25 geborgene Kugeln. Die in den weichen Ton eingedrückten Ziffern wurden nach dem Brand mit roter Farbe ausgemalt.

Erhalten sind die Zahlen zwischen 2 (II) und 94 (LXXXXIIII), wobei keine Ziffer doppelt erscheint. Es sind „Loskugeln“, die bisher nur selten gefunden wurden (Abb. 40). Aus dem Heiligtum auf dem Martberg gehören sie gewiss in den Zusammenhang mit kultischen Zeremonien, mit Orakel, Weissagung und Schicksalsdeutung.
In der Antike und im römischen Reich war es allgemein üblich, Entscheidungen aufgrund von Losverfahren herbeizuführen. Auch im politischen Leben wurde vielfach bei der Vergabe von Ämtern über das Los entschieden, z. B. bei der Auswahl von Richtern und Priestern, bei verschiedenen kaiserlichen Ämtern oder auch bei der Verteilung von landwirtschaftlich genutzten Parzellen entschied häufig das Los.
So könnten die Ziffernkugeln vom Martberg nicht nur zur Auslosung von Ämtern oder Tätigkeiten im Rahmen der Kulthandlungen innerhalb des Tempelbezirkes gedient haben, sondern auch im Zuge von Orakelsprüchen insgesamt in vielfältiger Weise angewandt worden sein. Bei wichtigen Entscheidungen, wie besonders im Zusammenhängen mit der Erkundung von Wohlwollen, Hilfe und dem Ratschluss der Götter und ihrer Weissagungen wird man gerne diese Ziffernkugeln für entsprechende „Auskunft“ eingesetzt haben.
Quelle: 09.02.2020 - Die Kelten und die Römer auf dem Martberg bei Pommern an der Mosel, Kreis Cochem-Zell