Martberg 2008 – Grabung im spätkeltischen Handwerkerviertel

Die Ausgrabungen im Heiligtum sind seit einigen Jahren abgeschlossen, einige Siedlungbereiche im Umfeld sind in kleinen Ausschnitten ausgegraben, und ein weiteres „Fenster“ wurde in diesem Jahr geöffnet: nahe des nördlichen Eingangstores waren auf den Äckern des „Männleinfeldes“ (Aufm Eisenberg, Flur 17) seit Jahren reichhaltige Lesefunde bekannt; die geomagnetische Prospektion versprach zudem eine hohe Befunddichte. Um einen näheren Einblick in die spätkeltische Siedlungsstruktur zu bekommen, wurden Ende Juli gezielt zwei Flächen geöffnet. Zu der fast 2000 qm großen nordöstlichen Fläche wurden weitere 400 qm im Winkel der beiden Wege zum Nordtor und – vielleicht ebenfalls eine alte Wegeverbindung – nach Süden zum „Prozessionsweg“ in Richtung Karden. Gegraben wurde von Ende Juli bis Mitte Oktober. In diesem Jahr wurde das Messsystem umgestellt; aus Gründen der Genauigkeit wird in den weiter vom Tempel entfernten Bereichen nun das so genannte Gauss-Krüger-Netz verwendet. Flurkarten vom Landesvermessungsamt können als Grundlage der Kartierungen verwendet werden; ein weiterer Vorteil ist, dass die Pläne automatisch genordet sind.

In der nördlichen Fläche wurden drei große Gruben erfasst; eine davon datiert etwa um die Zeitenwende, die beiden anderen sind rund 50 bis 100 Jahre älter. Außerdem konnten ein massiver Sechspfostenspeicher ausgegraben werden, mehrere der bekannten Vierpfostenspeicher, sowie einige Wohnhäuser, teilweise mit einem oder sogar zwei vorgelagerten Eingängen.

Abb. 1: Ausschnitt der Grabungsfläche – Hausgrundriss mit zwei vorgelagerten Eingängen; Seitenlänge ca. 7 x 7 m.
Abb. 1: Ausschnitt der Grabungsfläche – Hausgrundriss mit zwei vorgelagerten Eingängen; Seitenlänge ca. 7 x 7 m.
Abb. 2: Sechspfostenspeicher (ausgenommene Befunde); Seitenlänge ca. 4,5 x 3,5 m.
Abb. 2: Sechspfostenspeicher (ausgenommene Befunde); Seitenlänge ca. 4,5 x 3,5 m.

Leider war in diesem Bereich die Zerstörung der Befunde durch tiefe landwirtschaftliche Eingriffe weit fortgeschritten. Dennoch wird dieser Bereich wichtige und neue Erkenntnisse liefern zu Handwerk und Handel auf dem Martberg: Reste importierter Weinamphoren wurden auch in den letzten Jahren in den Siedlungsbereichen gefunden; erstmals fand sich allerdings ein Fragment eines Weinsiebes in einer der großen Gruben. Dies belegt die Bedeutung früher Handelskontakte mit dem Süden.

An den Rändern einer der großen Gruben (Befund 2) waren noch die Reste von mehreren Öfen erkennbar. Bis auf einen waren sie leider sehr schlecht erhalten. Der am besten erhaltene Ofen war birnenförmig am Rand der Grube; Boden und Seitenwände waren rot verziegelt. Zur Grubenmitte hin wurde reichlich Holzkohle gefunden, außerdem viele verbrannte und verschlackte Reste von Keramik und Ofenwänden. Vermutlich handelt es sich nicht um Töpferöfen, sondern um Werkstätten, die zur Metallverarbeitung verwendet wurden. Einige kleinere Schlackereste sowie ein Halbfabrikat einer Fibel aus Bronze geben Hinweise auf Handwerk. Innerhalb dieser Grube, etwa in deren Zentrum, wurde gegen Ende der Grabung ein „spektakulärer“ Befund geborgen: vor der beschriebenen Funktion als Metallwerkstatt bestand an dieser Stelle offenbar ein Brunnen, und erstmals konnte am Martberg originales Holz geborgen werden! Eine dünne Wand aus Buchenholz, vielleicht ein Fass, bildete die Fassung, um die zahlreiche faustgroße Kieselsteine als Befestigung und Drainage gesteckt worden waren. Einen Meter über der Sohle befand sich eine kreisrunde Erweiterung, ebenfalls mit Kieseln „gepflastert“ – offenbar eine Standfläche, von der man aus das Wasser schöpfen konnte. Die darüberliegenden Schichten waren in den zentralen Hohlraum nachgesackt. Die Nasshölzer wurden zur dendrochronologischen Untersuchung an das Labor des Rheinischen Landesmuseums Trier (Dr. Mechthild Neyses-Eiden) übergeben.

Abb. 3: Grube 2 mit stark holzkohlehaltiger Einfüllung und Ofenresten sowie Brunnen.
Abb. 3: Grube 2 mit stark holzkohlehaltiger Einfüllung und Ofenresten sowie Brunnen.

Ein zweiter Brunnen befand sich nur 30 Meter südwestlich dieses Befundes; er wurde bis zum Ende seiner Benutzung als Brunnen verwendet. Die Konstruktion war hier ganz anders: Rund 2,50 m tief war der vierkantige Schacht noch erhalten; in den unteren Bereichen zeigte er noch deutliche Spuren eines hölzernen Einbaus. Leider waren die Bauhölzer – vermutlich an den Seiten verzapfte Spaltbohlen aus Eiche – hier nicht mehr erhalten.

Abb. 5: Vollständige Nauheimer Fibel aus dem Brunnen (Befund 55).
Abb. 5: Vollständige Nauheimer Fibel aus dem Brunnen (Befund 55).

Unmittelbar daneben befand sich eine kreisrunde Verfärbung, die gegen Ende der Ausgrabung nochmal den Zeitplan durcheinander brachte: der zunächst unscheinbare Befund entpuppte sich als fast 3 Meter tiefer Schacht mit senkrechten Wänden – vermutlich ebenfalls zur Wasserentnahme genutzt, hier aber gänzlich ohne erkennbare Einbauten.

Abb. 6: Profil von Befund 54.
Abb. 6: Profil von Befund 54.

Die „Dichte“ von Brunnen in diesem Bereich, ganz anders als an anderen Stellen auf dem Martberg und zudem auf der höchsten Stelle des Plateaus gelegen, lässt eine entsprechende Wasserführung in keltischer Zeit vermuten. Tatsächlich steht hier ein sehr „zäher“ Lehm an, der von einem Staunässeboden überlagert wird, und dunkle Verfärbungen durch das Mineral Mangan deuten auf eine frühere Wasserzufuhr hin. Im nächsten Jahr wird ein Siedlungsbereich noch etwas weiter östlich auf dem „Eisenberg“ untersucht werden: hier zeigt die Geomagnetik eine dichte Ansammlung von Gebäuden und großen Siedlungsgruben.

Dr. Claudia Nickel DFG-Projekt „Oppidum und Heiligtum Martberg“

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